Haben sich Ihre Patient:innen mit KI vorbereitet? Warum diese Frage das Arztgespräch verändert

Shownotes

In der zweiten Folge von „Praxisimpulse: KI in der Sprechstunde“ geht es um eine scheinbar einfache Frage mit großer Wirkung:

„Haben Sie sich mit einer KI auf unser Gespräch vorbereitet?“

Unsere Expertin Dr. Alexandra Widmer zeigt, warum die Antwort darauf entscheidend für den weiteren Verlauf des Arztgesprächs ist und welche vier Stufen der KI-Vorbereitung es gibt.

Denn „gut vorbereitet“ bedeutet nicht automatisch, dass alle relevanten Informationen vorliegen. Je nach Ausgangslage entstehen unterschiedliche Anforderungen an die ärztliche Gesprächsführung.

Impulse aus der Folge:

• Wie Sie erkennen, wie belastbar KI-generierte Informationen sind • Warum Patient:innen Symptome gegenüber KI oft anders schildern • Wie eine einfache Frage den Gesprächseinstieg verändert • Warum die „digitale Anamnese“ Teil des Praxisalltags sein sollte

Für alle, die verstehen wollen, wie KI die Arzt-Patient-Kommunikation verändert und wie man souverän damit umgeht.

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Transkript anzeigen

00:00:07:

00:00:21: Hallo und herzlich willkommen zur zweiten Folge von Praxisimpulse: KI in der Sprechstunde.

00:00:27: Mein Name ist Alexandra Widmer, und ich freue mich, dass du hier dabei bist!

00:00:31: In der letzten Folge habe ich von einem Patienten erzählt, der zu mir mit einer kompletten KI-Auswertung seiner gesamten Befunde kam.

00:00:41: Heute möchte ich eine Frage stellen, die ich seitdem fast jedem Patienten, jeder Patientin stelle. Und zwar die Frage: "Haben Sie sich mit einer KI auf unser Gespräch vorbereitet?"

00:00:57: Diese Frage klingt einfach, aber die Antwort ist es nicht. Denn vorbereitet sein, bedeutet nicht vorbereitet sein.

00:01:04: Und da unterscheide ich mittlerweile vier Stufen. Und diese Unterscheidung verändert, wie ich dann das Gespräch führe.

00:01:13: Die erste Stufe ist ganz einfach. Sie ist einfach eine kurze Frage, die man der KI stellt.

00:01:19: Jemand hat schnell ne Frage und nutzt es genauso wie früher bei Google.

00:01:25: Das verändert noch relativ wenig.

00:01:30: Die zweite Stufe ist das ausführlichere Symptomgespräch. Da hat jemand seine Beschwerden im Detail beschrieben, manchmal über mehrere Nachrichten.

00:01:38: Also einen ganzen kompletten Chatverlauf. Dnd dann wird es wirklich interessanter. Denn eine aktuelle Studie aus Würzburg unter Charité hat untersucht,

00:01:46: wie ausführlich Menschen ihre Symptome schildern, je nachdem, ob sie glauben mit einer KI zu sprechen oder mit einer Ärztin oder einem Arzt. Und das Ergebnis, ganz erstaunlich fand ich, als ich es gelesen habe, war: Wer glaubt, mit einer KI zu sprechen, beschreibt seine Symptome durchaus knapper und weniger detailliert.

00:02:08: Das heißt also, selbst eine ausführliche KI-Vorbereitung, wenn ein Patient das sagt, kann durchaus Lücken beinhalten, ohne dass er oder sie das bemerkt.

00:02:18: Kommen wir zur dritten Stufe.

00:02:20: Ja, die dritte Stufe ist das Hochladen eigender Befunde oder Dokumente. So wie mein Patient das aus der ersten Folge getan hat.

00:02:27: Und das hat durchaus nochmal eine ganz andere Qualität, weil hier durch ... ja, weil hier strukturierte medizinische Informationen und Daten eingepflegt werden, die natürlich über eine eigene persönliche Beschreibung mit eigenen Worten hinausgeht.

00:02:41: Die vierte Stufe ist dann die wirkliche komplette fertige Empfehlung.

00:02:47: Das heißt der Patient kommt nicht nur mit Information. Er hat stattdessen den konkreten Therapieplan dabei, den er von der KI bekommen hat.

00:02:58: Und jede dieser Stufen verlangt von mir in der Gesprächsführung was anderes.

00:03:04: Bei der Ersten reicht oft ein kurzer Kommentar und bei der Vierten brauche ich eine ganz andere Gesprächsstrategie, weil die Erwartungshaltung natürlich viel konkreter ist.

00:03:18: Deshalb reicht die Frage alleine nicht.

00:03:21: Ich frage inzwischen weiter. Was genau haben Sie der KI erzählt?

00:03:24: Haben sie Befunde hochgeladen? Oder haben sie nur ihre Beschwerden beschrieben?

00:03:31: Und diese Nachfrage, finde ich, ist keine Förmlichkeit, sondern zeigt mir wirklich sehr konkret wie verlässlich die Grundlage ist mit der meine Patientin oder mein Patient zu mir kommt.

00:03:47: Und jetzt ahne ich schon was du denkst.

00:03:49: Gehört das zu meiner Aufgabe?

00:03:50: Dafür habe ich keine Zeit. Und Ich würde sagen, ja schon. Ich glaube, das können wir nicht mehr wegnegieren.

00:03:59: Das gehört zu unserer Zeit. Und ja, das kostet Zeit. Ne Minute, manchmal zwei Minuten, je nachdem was da für eine Antwort kommt. Und das ist natürlich in einer vollen Sprechstunde keine Kleinigkeit.

00:04:12: Und das ist wirklich ein Thema was wir diskutieren müssen.

00:04:16: Aber ich sehe es nicht als eine zusätzliche Aufgabe von außen, sondern als Teil dessen was eigentlich schon immer originär ärztliche Tätigkeit und Arbeit war.

00:04:30: Wir haben schon immer gefragt, was vorher passiert ist?

00:04:32: Welche Beschwerden er hatte, welche Vorbehandlung, welcher Sorgen... Und ich finde diese digitale Vorbereitung oder ich sage auch gerne digitale Anamnese, ist einfach ein neuer Teil dieser Anamnese und Geschichte.

00:04:47: Ja, und wer das ignoriert, spart vielleicht zwei Minuten, aber verliert meines Erachtens häufig ein Überblick darüber was den Patienten oder die Patientin denn wirklich beschäftigt.

00:04:58: Und eine konkrete Formulierung für dich, für den Alltag, wenn du möchtest, ja, kannst du zum Beispiel sagen was weiß ich, so etwas wie: "Schön, dass sie sich vorbereitet haben.

00:05:09: Erzählen Sie mir kurz was die KI Ihnen erzählt hat, damit wir beide wissen wo Sie stehen."

00:05:15: Ja, so mache ich das. Also ganz einfach. Und ich glaube am Ende geht es dann gar nicht

00:05:21: so sehr um die KI. Ja auch,

00:05:24: aber ich will einfach wissen mit welcher Geschichte meine Patientin mal Patient zu mir kommt, bevor ich anfange weiter zu diagnostizieren, einzuschätzen, zu beurteilen oder auch Dinge einzuordnen.

00:05:42: Und deswegen lasse ich dich jetzt hier mit einer Frage zurück. Und zwar, wie oft hast du schon daran gedacht, der Patient ist wirklich gut informiert, ohne wirklich zu wissen was die KI ihm gesagt hat?

00:05:58: Oder hast du überhaupt danach gefragt?

00:06:00: Ich freu mich dass du bis jetzt dabei geblieben bist.

00:06:03: Vielen Dank für deine Zeit und dein Interesse. Bei Fragen oder Rückmeldung zu dieser Audiokolumne,

00:06:09: schreib uns immer gerne.

00:06:11: Wir sind sehr daran interessiert, um dieses Konzept und diese Kolumne weiterzuentwickeln.

00:06:16: Deine Themen, die dich interessieren. Schreibe an redaktion@gelbe-liste.de. Ich wiederhole: redaktion@gelbe-liste.de.

00:06:29: Die E-Mail-Adresse findest du auch noch in den Shownotes.

00:06:33: In diesem Sinne, bis zur nächsten Folge.

00:06:35: Alles Gute, Alexandra!

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