Arzt oder KI? Wem vertrauen Patient:innen?

Shownotes

Immer mehr Patientinnen und Patienten informieren sich vor dem Arztbesuch mit Hilfe von KI-Systemen. Doch was passiert, wenn die KI zu anderen Einschätzungen kommt als die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt?

In dieser Folge erklärt Dr. Alexandra Widmer, warum es wenig sinnvoll ist, aus solchen Situationen einen Wettbewerb zwischen Mensch und Maschine zu machen. Stattdessen zeigt sie, wie Ärztinnen und Ärzte KI-Antworten konstruktiv in das Gespräch einbeziehen können, um Vertrauen zu stärken und gemeinsam fundierte Entscheidungen zu treffen.

Impulse aus der Folge: • Warum immer mehr Patient:innen mit KI-generierten Informationen in die Praxis kommen • Was aktuelle Nutzungszahlen über das Vertrauen in KI aussagen • Wie Ärzt:innen KI-Antworten einordnen und nutzen können • Warum Shared Decision Making wichtiger wird als ein „Arzt gegen KI“-Denken

Studie der Pronova BKK: https://www.pronovabkk.de/media/pdf-downloads/unternehmen/studien/pronova-bkk-studienergebnisse-ki-im-alltag-2026.pdf

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Transkript anzeigen

00:00:00: Stell dir vor, ein Patient sitzt vor dir und sagt die KI hat mir aber etwas ganz anderes gesagt als sie.

00:00:06: Tja was machst du dann?

00:00:08: Und damit hallo und herzlich willkommen bei den Praxisimpulsen KI in der Sprechstunde der Audiokolumne der gelben Liste.

00:00:16: Schön dass du dabei bist!

00:00:18: Mein Name ist Alexander Wittmann.

00:00:20: ich bin Anärologin und Psychotherapeutin und beschäftige mich seit vielen Jahren mit der digitalen Medizin und der Frage wie KI die Arzt-Patientenbeziehung verändert.

00:00:32: Und heute geht es um das Thema Vertrauen, denn unsere Patienten kommen zunehmend mit einer zweiten Einschätzung in die Sprechstunde und die stammt immer häufiger von einer KI.

00:00:45: Wie leidrelevant das inzwischen ist zeigt eine aktuelle Befragung der Pronova BKK mit knapp drei Tausend Fünfhundert Erwachsenen.

00:00:55: Fast jeder Zweite hatte KI schon einmal genutzt bevor er oder sie mit einem gesundheitlichen Problem zum Arzt gegangen ist.

00:01:04: Und eine Zahl, die ich da ganz besonders bemerkenswert finde, ist wenn die KI unter Arzt zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen folgten sechsundzwanzig Prozent der Befragten der KI das heißt also jeder vierte.

00:01:20: Tja was machen wir damit?

00:01:22: Ich glaube wir sollten vor allem eins vermeiden daraus einen Wettbewerb zumachen Denn wenn ich sofort sage, toll dass Sie sich informiert haben.

00:01:31: Aber vorsichtig die KI kann hallucinieren.

00:01:34: Die Antworten können falsch sein.

00:01:35: und dann haben wir noch das ganze Thema mit dem Datenschutz.

00:01:39: Dann stelle ich ja den Patienten indirekt vor die Frage was soll ich jetzt eigentlich glauben?

00:01:46: Meinem Arzt oder der KI?

00:01:49: Und ich finde auf diesen Wettbewerb sollten wir uns erstmal gar nicht einlassen.

00:01:55: Ich mache das inzwischen etwas anders und habe damit in meiner Sprechstunde ziemlich gute Erfahrungen gesammelt.

00:02:02: Ich frage als Erstes, zeigen Sie mir doch mal was sie die KI gefragt haben?

00:02:07: Und was sie Ihnen geantwortet hat.

00:02:09: Oft reicht dafür einen kurzer Blick aufs Handy oder die meisten sind da sehr auskunftsfreudig.

00:02:15: Manche haben nur eine einzige Frage gestellt und manchmal sehe ich ellenlange Chats und eine Patientin erzählte mir sogar Sie habe sich ihren eigenen Leibarztagenten gebaut.

00:02:28: Und dann stelle ich die zweite Frage, was daran hat sie wirklich überzeugt oder verunsichert?

00:02:37: Diese Frage finde ich fast noch wichtiger, denn für mich ist nicht entscheidend wie viel Text diese KI produziert.

00:02:46: Entscheidend ist das, was bei den Patienten angekommen ist.

00:02:48: also was kann ja wirklich mündlich... Wiederholen und mir sagen, nicht nur auf dem Papier oder im Handy zeigen.

00:02:56: Ist das eine Diagnose die ihm Angst macht?

00:02:59: Oder ist es eine Erklärung, die für die Patientin platzig total plausibel erscheint?

00:03:04: Oder sogar eine Empfehlung, die komplett widersprüchlich zu meiner ist?

00:03:09: Und da beginnt für mich unsere ärztliche Aufgaben!

00:03:14: Ich kann sagen ja dieser Punkt stimmt aber hier fehlen noch wichtige Informationen.

00:03:20: Ich verstehe, warum das so plausibel ist.

00:03:23: Bei Ihnen gibt es aber allerdings noch andere Befunde die die Situation verändern.

00:03:29: Das heißt also ich muss die KI weder schlecht reden oder noch eher blind vertrauen.

00:03:35: Ich beziehe das was mein Patient mitbringt in die medizinische Entscheidung ein.

00:03:41: Denn wir kennen noch zumindest die Vorgeschichte der Befundung und die Medikamente und Risiken und ich kann berücksichtigen was diesen Menschen wichtig ist, damit wir gemeinsam zu einer Entscheidungsfindung kommen.

00:03:58: Und natürlich tragen wir Ärzte weiterhin die rechtliche Verantwortung mit KI oder KI ohne KI.

00:04:05: aber die rechtlichen Verantwortung alleine schafft noch kein Vertrauen auch nicht in der Zukunft.

00:04:15: und wenn du aus dieser Folge etwas direkt für deine nächste Sprechstunde mitnehmen möchtest dann gleich diese drei Fragen.

00:04:24: Erstens, zeigen Sie mir doch mal gern was sie die KI gefragt haben und was sie für eine Antwort bekommen haben.

00:04:33: Zweitens, was daran hat sie wirklich überzeugt um verunsichert?

00:04:37: Was auch verunsichernd?

00:04:39: Und drittens lassen wir uns gemeinsam schauen was wir wirklich auf ihre Situation übertragen können.

00:04:47: Wenn du die Sorge hast dass das alles zu viel Zeit kostet Kannst du die zweite Frage begrenzen?

00:04:52: Ich sage dann häufig, können Sie mir das in allen Satz sagen.

00:04:56: Was sie insbesondere beschäftigt was die KI Ihnen gesagt hat mehr braucht es da meistens erst mal gar nicht.

00:05:03: also wir müssen nicht verhindern oder wir können's auch gar nicht verhinden dass unsere Patientin KI nutzen oder auch ihr vertrauen.

00:05:12: aber ja wir sollten daraus auch keinen Wettbewerb machen zwischen Arzt und KI.

00:05:20: Und vielleicht entsteht das Vertrauen gerade dann, wenn wir das ernst nehmen Transparenz sind und das einbeziehen was der Patient mitbringt.

00:05:28: Und zeigen ja was da unsere neue oder gänzende ärztliche Aufgabe ist und nicht gegen die KI argumentieren.

00:05:39: Die Brunover-Studie klinke ich dir in den Schonennots und ich freue mich natürlich immer wieder über Feedback, Kritik und ganz viele Anregungen.

00:05:49: die E-Mail findest du dazu auch in den Show Notes.

00:05:54: Ich freue mich wenn Du bei der nächsten Folge wieder dabei bist und wo auch immer Du jetzt gerade bist wünsche ich Dir alles Gute bis dahin Alexandra!

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